Im Interview spricht der gelernte Landmaschinenmechaniker über sensible Ernteketten, nächtliche Anrufe und die große Freiheit auf dem Traktor.
Timo, wie bist du zum mobilen Hydraulik-Sofortservice gekommen?
Ein langjähriger Bekannter, der auch später mein Vorgesetzter bei HANSA‑FLEX geworden ist, hat neue Mitarbeitende gesucht und mich einfach angesprochen. Ich bin einen Tag mit dem mobilen Hydraulik-Sofortservice mitgefahren und war sofort Feuer und Flamme.
Was hat dich so begeistert?
Eindeutig die Vielfalt. Jeder Tag ist anders, jeder Tag bringt neue Einblicke in die unterschiedlichsten Branchen. Das ist einfach spannend und sehr bereichernd.
Was muss man für diesen Job mitbringen?
Zuerst einmal technisches Verständnis. Du musst in der Lage sein, dich in kurzer Zeit in Maschinen oder Anlagen hineinzudenken, um das Problem richtig zu verstehen. Dann musst du eine Lösung finden, die sich mit dem umsetzen lässt, was du im Servicefahrzeug dabei hast. Da sind viel Flexibilität und Improvisationskunst gefragt, natürlich immer unter Berücksichtigung aller Normen und Vorschriften. Wenn beim Kunden die Hydraulik stillsteht, bleibt oft keine Zeit, in die nächste HANSA‑FLEX Niederlassung zu fahren, um ein besonderes Teil zu besorgen.
Was ist sonst noch wichtig?
Kommunikation. Als Servicetechniker werden wir immer dann gerufen, wenn es irgendwo ein Problem gibt. Du musst auf die Menschen zugehen können, offen mit ihnen reden und manchmal auch Ruhe in die Situation vor Ort reinbringen.
Wie sieht dein Hintergrund aus?
Ich habe eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker gemacht und später auch in einem Unternehmen gearbeitet, das weltweit Richtbohrgeräte einsetzt.
Wer zählt zu deinen Kunden?
Ich bin im Großraum Braunschweig-Hannover unterwegs sind und habe Einsätze bei unterschiedlichsten Kunden von klassischen Industriebetrieben und Stahlwerken über Baustellen bis zur Binnenschifffahrt. Ich bin auch viel im eher ländlichen Raum unterwegs und auch viel für die Landwirtschaft tätig.
Wie unterscheidet sich die Landwirtschaft von anderen Branchen?
Einerseits gibt es eine enorme Vielfalt an Maschinen und Fahrzeugen. Vom Traktor über Front- und Hoflader bis zu spezialisierten Anhängern wie Ballenpressen oder Rübenrodern. Dazu kommen wahnsinnig komplexe Großmaschinen wie Mähdrescher oder Harvester für die Forstwirtschaft. Manche Landwirte konstruieren auch eigene Maschinen, das wird manchmal doch etwas abenteuerlich. Andererseits sind die Einsätze selten auf dem Hof, sondern oft auf dem Feld unter freiem Himmel.
Wie oft klingelt nachts dein Handy?
Wir haben im mobilen Hydraulik-Sofortservice abwechselnd Bereitschaftsdienst. Viele unserer Kunden arbeiten 24/7, da ist es selbstverständlich, dass wir auch mitten in der Nacht losfahren. Die Landwirte richten sich bei der Ernte nach dem Wetter, nicht nach der Uhrzeit.
Wie orientierst Du dich in solchen Situationen auf dem Feld?
Ganz klar, das Navigationssystem stößt hier öfters an seine Grenzen. Die Felder haben ja keine eigene Adresse wie „Im Maisfeld 108“. In meiner Heimatregion kenne ich fast jeden Feldweg, das ist ein echter Vorteil. Ansonsten gibt der Kunde einfach seinen GPS-Standort durch.
Wo steht eigentlich dein Servicefahrzeug nach Feierabend?
Vor der Haustüre. Das hat uns schon den einen oder anderen Auftrag eingebracht. Die Menschen sehen das Fahrzeug und kommen auf mich zu. Immer wieder klingelt auch mein privates Telefon und jemand mir komplett Unbekanntes sagt zu mir „Du ich habe deine Nummer von einem befreundeten Landwirt erhalten. Mein Traktor streikt, wann kannst du da sein?“
Was antwortest Du dann?
Ich frage, wo der Traktor steht. Ein Auftrag wird angelegt und schon geht es los. Es ist schon ein tolles Gefühl zu wissen, dass die Menschen uns blind vertrauen, gerade wenn es wie bei uns im ländlichen Raum auf jede Minute ankommt.
Warum ist Zeit in der Landwirtschaft so wichtig?
Bei der Ernte kommen heute Ernteketten zum Einsatz, die aus mehreren Landmaschinen bestehen und Hand in Hand zusammenarbeiten. Neben dem Mähdrescher fahren Traktoren mit Anhängern, die das Korn direkt entgegennehmen. Wenn da nur ein Traktor oder eine andere Landmaschine ausfällt, steht die ganze Erntekette.
Wie sah dein außergewöhnlichster Einsatz aus?
Schwierig zu sagen, ich bekomme Einblicke in die unterschiedlichsten Branchen. Das ist ja auch das Schöne an meinem Job. Spontan denke ich an den Einsatz auf einem Binnenschiff. Bei der Reparatur eines Motors hat sich die Besatzung auf der Brücke und im Maschinenraum über Funk ausgetauscht. Ein weiteres Schiff fand es witzig, sich in den Funkverkehr einzumischen. Der Motor wurde zum falschen Zeitpunkt gestartet und ein großes Werkzeug wurde im Motor eingeklemmt. Danach haben sie HANSA‑FLEX angerufen und ich habe vor Ort erst einmal mit der Flex das Werkzeug zersägt und rausgeholt. Aber das Schiff lief danach wieder.
Was machst Du nach der Arbeit?
Traktor fahren! Kein Witz, ich unterstütze einen Bekannten in der Landwirtschaft. Der Blick über die Felder ist ein Stück Freiheit für mich. Die Arbeit auf dem Feld macht mir so viel Spaß, dass daraus ein kleiner Minijob geworden ist. Gerade in der Erntezeit ist jede helfende Hand gefragt.
Welche weiteren Hobbys hast Du?
Ich unternehme viel mit meiner Partnerin und unserem Hund. Daneben bin ich auch seit vielen Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Wir sind im Sofortservice echte Problemlöser, das überträgt sich automatisch in das private Umfeld: Situation erfassen, Alternativen abwägen, Herausforderung lösen. Ob ich jetzt im Feuerwehrauto oder im Servicefahrzeug sitze, macht eigentlich keinen Unterschied.
Würdest du mit einem Job im Büro oder in der Produktion tauschen?
Auf keinen Fall. Ich werde ja ab und an von Kunden gefragt, die Leute suchen. Ich sage dann immer, ihr könnt mich nicht den ganzen Tag unter der Neonsonne einsperren, das würde nicht funktionieren.
Mexiko